Oberglatter Störche, Teil 5

Familie Schmutz hat das Privileg sehr nahe bei den Störchen zu sein. Praktisch von überall in ihrem Haus können sie die Familie Adebar beobachten…

Familie Schmutz, vielen herzlichen Dank, dass unser Treffen zustande gekommen ist. Es freut uns sehr, dass sie uns auf dem Laufenden über die Oberglatter Störche halten.

Y-Baum, im 2016, Foto Kurt Schmutz
Y-Baum, im 2016, Foto Kurt Schmutz

Im Februar 2016 wurden die Pappeln radikal zurück geschnitten. Alle Bäume haben danach wunderbar ausgetrieben ausser einer. Dieser eine Baum wurde zum Storchenbaum. Die Störche flogen zuerst ein wenig herum und nahmen dann den Baum in Y-Form sehr genau unter die Lupe. Schon nach kurzer Zeit flogen die beiden Störche hin und her und brachten Äste mit und legten ein Nest an. Zuerst waren wir fassungslos, denn das Nest sah eher unbrauchbar aus. Dennoch sind die beiden Altvögel mit Leib und Seele am bauen. Die Y-Form des Baumes hat einen enormen Vorteil fürs Nest. Das Nest liegt somit nicht einfach auf einer geraden Fläche, sondern muss sehr sauber verflochten werden mit der Form. Somit kann man davon ausgehen, dass das Nest recht tief liegt.

Im ersten Brutjahr, konnten die beiden Störche erfolgreich ein Junges gross ziehen. Dieses war wohlgenährt und wir nannten ihn Pfüdi. Pfüdi wurde flügge und war bald weg aus dem Nest. Wir sahen ihn jedoch noch einige Zeit auf den umliegenden Hausdächern. Unser Pfüdi war wohl eher ein „Hösi“. Leider war er das einzige Jungtier und konnte somit nicht bei den Geschwistern abschauen was man wie macht. Dennoch hat unser Pfüdi es geschafft und plötzlich war es wieder still im Quartier…

Beim Balztanz 2017, Foto von Kurt Schmutz
Beim Balztanz 2017, Foto von Kurt Schmutz

Wie waren wir alle erfreut, als am 14. Februar 2017 plötzlich wieder drei Störche da waren! Wieso wohl drei? Wir gehen davon aus, dass es die Altvögel sind mit ihrem letztjährigen Jungen. Die Altvögel fingen an das Nest zu reparieren und auszubessern. Auch einen blauen Plastiksack haben sie mal eingeflochten. Dieser war von der Strasse aus gut sichtbar.

Das Balzritual bei Störchen sieht fantastisch aus. Es ist nicht nur das Klappern, nein, sie umgarnten sich nach höchst eleganter Art. Ein reges Tanzen war zu sehen und immer wieder liebevolle Berührungen (durch die Schnäbel, durch die Flügel, Hälsereiben etc). So lag es nahe, dass wir sie insgeheim Ginger und Fred nannten (Ginger Rogers und Fred Astaire). Die Paarung dauerte. Immer wieder konnten wir sie dabei beobachten (beide grinsen). Bald schon wurde gebrütet. Beide Altvögel wechselten sich hier ab, so dass neben dem Brüten auch mal gejagt werden konnte oder sie sich erholten. Bald sassen die Altvögel nicht mehr immer im Nest. Wir gingen davon aus, dass nun Junge geschlüpft sind. Leider sehen wir nicht ins Nest hinein (das wäre ein Spass wenn man das könnte!). Auch der heftige Regen oder der erneute Kälteeinbruch konnten der Storchenfamilie nichts anhaben. Stolz sehen wir drei Junge, die neugierig ihre Köpfe heben. Wenn die Altvögel mit dem Futter kommen (Mäuse, Frösche, Schnecken etc) wird’s hecktisch im Nest. Alle haben Hunger und alle wollen futtern. Da sind wir also froh, dass wir das nicht allzugenau sehen können, was die Altvögel da wieder rauswürgen…

Flugübungen in luftiger Höhe, 02.07.17, Foto Kurt Schmutz
Flugübungen in luftiger Höhe, 02.07.17, Foto Kurt Schmutz

Als wir von den Ferien zurückkamen waren wir sehr überrascht, wie gross die Kleinen nun schon sind! Sie haben massiv zugelegt und sind gewachsen. Für die Altvögel ist es wohl stressig, denn sie sehen eher dünn aus. Am 30. Juni 2017 konnten wir beobachten, wie die Jungstörche ihre ersten „Flugversuche“ starteten. Meistens legt sich ein Junges tiefer ins Nest, so dass nur noch zwei sichtbar sind. Eines davon schlägt immer wieder mit den Flügeln und probiert abzuheben. Was sich einfach anhört, ist wohl eher schwierig, denn die Flügelmuskeln müssen gestärkt und trainiert werden. Zuerst sieht es nach nichts aus, dann aber konnten wir bis zu 5 Flügelschläge beobachten. Ein Junges war so etwa bis knapp 3 Meter in der Luft (zum Glück ist es wieder heil im Nest gelandet). Wir sind gespannt, wie lange es nun noch dauern wird, bis sie das Nest verlassen. Hoffentlich kriegen wir mit, wie die Jungen über unsere Dächer davon fliegen. Zum Glück wird es dann nicht plötzlich einfach ruhig, denn die Altvögel bleiben noch etwas länger und fliegen erst später in den Süden.

Liebe Familie Schmutz, vielen herzlichen Dank für unser Treffen. Es war schön mit zu erleben, wie ihnen „unsere Oberglatter Störche“ ans Herz gewachsen sind.

 

Der letzte Teil unserer Oberglatter-Störche erscheint im September 2017.

Evi Gwerder, NVO / Familie Schmutz, Bewohner vom Storchenquartier

Hier geht es zum Teil 6